Was tut eine Innovationsbrokerin?

AUTORIN: Brigitte Ömer-Rieder

Wissen ist heute breit, jedoch auch ungleich verteilt: Auf der einen Seite stehen Personen, die ein ungelöstes Problem haben und auf der anderen Seite Personen, die das Problem lösen können. Die Kunst besteht darin, „Problemholder“ und „Solutionprovider“ gezielt zusammenzuführen und damit Innovation möglich zu machen. Genau das ist die Kernaufgabe einer Innovationsbrokerin wie Johanna Stieblehner aus dem winnovation-Team. Vermittler gewinnen im Zeitalter von Open Innovation und Netzwerk-Ökonomien zunehmend an Bedeutung.

InnovationsbrokerInnen bauen maßgeschneiderte Brücken. Sie sind „Enabler“, d.h. sie analysieren Fragestellungen und verbinden unterschiedliche Personen und Organisationen. Sie coachen bei der Projektentwicklung, stimulieren zum Out-of-the-Box-Denken, suchen geeignete InnovationspartnerInnen („Matchmaking“) und unterstützen gezielten Wissenstransfer und Informationsaustausch. Dabei ist es wichtig, dass auch unübliche Verdächtige („Unusual Suspects“), welche relevantes Wissen haben, eingebunden werden, z.B. User-Crowds und -Communities oder einzelne, hochinnovative Anwender (Lead User). Wichtig ist ihre persönliche Haltung, denn InnovationsbrokerInnen sind grundsätzlich offen gegenüber allen neuen Ideen, vorausgesetzt, dass sie auch tatsächliche Probleme adressieren. Gleichzeitig sollte er/sie in der Lage sein, Analogien zu anderen Branchen und Märkten herzustellen.

Derzeit arbeiten InnovationsbrokerInnen in verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten (Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, Österreich) im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-AGRI). Dabei werden sogenannte „Operationelle Gruppen“ gefördert, die durch einen Brückenschlag zwischen PraktikerInnen und ForscherInnen Innovationen für die Landwirtschaft auf den Weg bringen wollen. In Österreich übt Johanna die Funktion der Innovationsbrokerin im Rahmen ihrer Tätigkeit für das Netzwerk Zukunftsraum Land aus. Sie unterstützt innovative AkteurInnen beim Aufbau eines Innovationsnetzwerkes durch die gezielte Suche von neuen Partnern und Kontaktanbahnung, sammelt alle Informationen zu innovativen Vorhaben im land- und forstwirtschaftlichen Bereich und kommuniziert die Ergebnisse im EIP-AGRI-Netzwerk und darüber hinaus.

Es ist abzusehen, dass die Bedeutung von InnovationsbrokerInnen in Zukunft immer wichtiger wird. Das Bewusstsein steigt, dass das für Innovation nötige Wissen nicht an einem Ort oder in einer Branche gebündelt, sondern ungleich verteilt ist. Vor allem jene, die neue Lösungen brauchen, haben oft keinen Überblick, welche externen Wissensquellen und Partner sinnvoll genutzt werden könnten.